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MATHILDE

Auf nach Köln ...

Reisebericht von Andrea C. Busch
über eine MATHILDE-Leserinnenreise im April 2005

Fotos von Margret W.-Simon (mws)

… hieß es für knapp sechzig Frauen, die sich zur MATHILDE-Lesereise für Sonntag, den 24. April 2005, angemeldet hatten. Bestimmt hat es keine von uns bereut!

Leicht zu finden waren die MATHILDEn auf dem Darmstädter Bahnhof: Einige trugen einen MATHILDE-Aufkleber auf dem Rucksack, andere hatten gelbe Infoblätter in der Hand, auf denen der Schriftzug MATHILDE gut zu sehen war. So fanden alle das richtige Gleis und den richtigen Zug, mit dem wir uns auf den Weg nach Mainz machten. Dort stiegen wir in den ICE nach Köln.

Die Wettergöttin war uns wohlgesonnen: In Köln wurden wir von strahlender Sonne, knackigem Wind und zwei Führerinnen des Kölner Frauengeschichtsvereins erwartet. In zwei Gruppen zogen wir los, um das Frauenleben in Köln kennenzulernen.

Gleich hinter dem Dom war zum Beispiel Marie Clementine Martin zu Hause, die hier 1826 ein kleines Unternehmen gründete, das ihre Heilmittel vertrieb. Ihr Spitzenprodukt, „Klosterfrau Melissengeist“, wird bis heute in unveränderter Rezeptur hergestellt.

Wir lernten die Römerin Agrippina die Jüngere kennen, die als Stadtgründerin gilt, weil sie dafür gesorgt hat, dass ihr Geburtsort die Stadtrechte erhielt. Nach ihr nannten die Kölner sich lange Zeit Agrippinenser. Beim Besuch der Mikwe, des jüdischen Ritualbades, erfuhren wir viel über das Leben der kleinen jüdischen Gemeinde in Köln.

Nicht weit von der Mikwe, gut versteckt im Hof einer exklusiven Wohnanlage, steht der Frauenbrunnen, scherzhaft auch „Frauen im Regen“ genannt, denn das Wasser rinnt an ihnen herunter. Der Brunnen stellt Kölner Frauen im Wandel der Zeiten da. Damit ihn möglichst niemand findet, gibt es weit und breit kein Hinweisschild, und auch in den offiziellen Broschüren der Stadt wird er nicht erwähnt. Um die Brunnensäule herum stehen zehn bunte „Kölnerinnen“, bis auf eine keine bestimmten Persönlichkeiten, sondern Vertreterinnen der Geschichte Kölns: Eine Ubierin aus dem 1. Jahrhundert, eine Römerin, eine Fränkin aus dem 5. Jahrhundert, die heilige Ursula als Schutzpatronin der Stadt, eine Frau aus dem Mittelalter um 1400, eine Jüdin im Jahr 1424, eine Niederländerin um 1600, eine Italienerin aus dem 18. Jahrhundert, eine Preußin von 1832 und eine Kölnerin von heute. Die Kölnerin von heute ist übrigens die einzige, die auf Anordnung der Geldgeber des Brunnens mit einem Kind dargestellt ist.

Köln war eine von drei europäischen Städten, in denen es im Mittelalter Frauenzünfte gab: Die Seidenmacherei war ganz in Frauenhand. Dennoch mussten die Frauen einen männlichen „Funktionär“ an ihre Spitze wählen, denn Frauen war das Betreten des Rathauses verboten, und so musste ein Mann die offiziellen Wege der Seidenmacherinnen übernehmen. Die Gasse, in der die Seidenmacherinnen ansässig waren, hieß Seidenmachergässchen. Auf Antrag des Kölner Frauengeschichtsvereins wurde sie 1988 in Seidenmacherinnengässchen umbenannt.

Letzter Punkt auf unserer Runde war der Kölner Rathausturm, der mit historischen Gestalten der Kölner Geschichte geschmückt ist. Von den insgesamt 124 Skulpturen sollten ursprünglich fünf Frauen sein. Dank des Frauengeschichtsvereins sind es nun zumindest achtzehn geworden, und ihre Lebensläufe bilden einen Teil des „Personen-Kanons“ der Stadtgeschichte.

Nach über zwei Stunden Stehen, Zuhören und Gehen waren wir dann alle ziemlich erschöpft. Dankbar ließen wir uns in die Sessel des ICE fallen, um die Rückreise anzutreten. Zum guten Schluss möchten wir Reiselustigen uns noch bei Frau Wagner von der Deutschen Bahn AG herzlich bedanken, die uns diese Reise ermöglicht hat.

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