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MATHILDE:

Frauen auf Reisen

Redaktionsschluss
für Heft 154:
20. Mai 2018

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Inhalt der neuen Ausgabe

Der Tomatenwurf der wütenden Feministin Sigrid Rüger (siehe S. 21) auf einen männlichen Aktivisten 1968 ist farbenprächtig und ein echter Hingucker, deshalb haben wir ihn als Titelbild gewählt. Das Ereignis selber sollte jedoch nicht überbewertet werden. Rüger sagt später dazu: Es ist nicht gut, "ein Ereignis, Personen oder eine ganze Bewegung zu mystifizieren. Das kann dazu führen, dass viele denken, der große einmalige Wurf bringt es, und man selbst braucht nichts zu tun.”

Foto: Jutta Schütz

Editorial

1968: Protest und Aufbruch

”Auch die Genossen sind Paschas. Die armen Lieblinge, sie können fast nicht anders. Die haben das dermaßen im Blut. Klassenkämpfe, das sind Kämpfe unter Männern. Die Frauen, die Schätzchen, die dürfen höchstens mal dabei helfen. Anschließend werden sie wieder in die Küche geschickt.” Simone de Beauvoir, 1975

1968 – Das Jahr polarisiert und schon die bloße Jahreszahl weckt Emotionen, selbst bei denjenigen, die die Bewegung gar nicht oder nur am Rande miterlebt haben. In der Redaktionssitzung der MATHILDE stand jedenfalls sofort fest, dass wir dieses Thema machen wollten. Man könnte meinen, dass sich angesichts der Medienpräsenz der 68er im Jubiläumsjahr ein gewisser Überdruss eingeschlichen haben könnte. Aber dem war nicht so, weil fast alle Frauen mit der Bewegung doch sehr persönliche, wenn nicht gar die entscheidenden Entwicklungen verbanden, bis heute: Das Private wurde politisch. 1968 – Die Bild Zeitung schrieb im Juni 1967: ”Wer Terror produziert, muss Härte in Kauf nehmen.” Auf den Transparenten der Studentinnen und Studenten bei Demonstrationen war zu lesen: ”Unter den Talaren Muff von tausend Jahren!” Für uns war es wichtig, den ganz persönlichen Blick auf die Studentenrevolte zu werfen. Der hatte in den meisten Fällen gar nicht so viel mit den großen Ereignissen, etwa dem spektakulären Tomatenwurf zu tun. Es war wenigen Intellektuellen, meist Männern, vorbehalten, als Wortführer rhetorisch und theoretisch geschult, öffentliche Reden zu halten. Die Frauen verwiesen sowohl rechte Traditionalisten wie linke ”Revolutionäre” bevorzugt an den Herd, wie im Artikel über Helge Sander nachzulesen ist. 1968 – Die meisten von uns backten kleine Brötchen. Da ging es um den Streit mit den Eltern, Auseinandersetzungen mit Lehrern, um Ängste, Träume und aus heutiger Sicht sehr lustige ”Befreiungsschläge”. Manche Frau tangierte das ganze Trara auch gar nicht, da waren kleine Kinder zu versorgen. Fertig. Genau diese Geschichten interessierten uns, die eigenen Erfahrungen: Wie haben wir 1968 und die Folgejahre erlebt? Was Gretchen Dutschke oder Cohn-Bendit zu sagen haben, ist überall nachzulesen. 1968 – Das Jahr hallt nach und vielleicht ganz besonders bei den Frauen. Vor fünfzig Jahren traten sie nicht groß in Erscheinung, aber die politischen Ereignisse und die Hinterfragung der gesellschaftlichen Verhältnisse setzten doch Prozesse in Gang, die nachwirken. Es ist seitdem viel erreicht, auch für Frauen, aber eben noch lange nicht genug. Der Artikel über den Zusammenschluss von Frauenverbänden zur Bekämpfung von Frauenarmut hier in Deutschland weist deutlich darauf hin. Deshalb machen wir, 50 Jahr später, immer noch eine Frauenzeitschrift. Für die MATHILDE gibt es noch viel zu tun, als Beitrag für eine Zukunft, wie Alice Schwarzer einmal sagte, ”ohne Rollenzwänge, ohne Macht- und Gewaltverhältnisse, ohne Weiblichkeitswahn und Männerbündelei.”

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