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MATHILDE:

Umworben, umgarnt und bloßgestellt

Redaktionsschluss
für Heft 158:
22. Januar 2019

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Inhalt der neuen Ausgabe

Die feministische Autorin Julia Korbik wurde mit dem Luise-Büchner-Preis für Publizistik 2018 ausgezeichnet.

Foto: Claudia Korbik

Editorial

Achtung Backlash?!

”Backlash”, ein Buch der amerikanischen Journalistin Susan Faludi aus dem Jahr 1991, ist längst ein Klassiker des Feminismus. Darin bezeichnet sie mit dem Begriff ”Backlash” (dt. Rückschlag, Gegenschlag) die Bestrebungen konservativer Gruppen gegen Feminismus und Frauenrechte, insbesondere gegen die Berufstätigkeit von Frauen. Berufstätigkeit ist aber eines der Kernanliegen der Frauenbewegung von Anfang an, da sie eng verknüpft ist mit ökonomischer Unabhängigkeit als Voraussetzung für ein selbstbestimmtes Leben.

Dass patriarchale Strukturen besonders in diesem Kernpunkt 30 Jahre später immer noch existieren (ungleicher Lohn, Einstellungspraktiken, strukturelle Benachteiligungen durch geringe Lohneinstufungen von Arbeitsfeldern, für die gerade konservative Kräfte Frauen für geradezu prädestiniert halten) ist mehr als bedenklich. Dass mit alten Rollenmustern und Klischees unsachlich vom politisch rechten Rand polemisierende Gruppen wieder salonfähig werden und eine so gestimmte Partei inzwischen in sämtlichen Landesregierungen und in der Bundesregierung vertreten ist, ist ein Armutszeugnis. Nur für wen? Für die Rechtspopulisten? Für die Frauen, die sie wählen, wenngleich es mehr Männer sind? Also für diese Männer? Für die Frauenbewegung? Für eine Gesellschaft, die bis hin zu völkischem Gedankengut stereotypen Rollenmustern einen Nährboden bietet? Jedenfalls Grund genug, sich in Zeiten unsachgemäßer Parolen auf Faktensuche zu begeben, ob in der Spielzeugabteilung im Warenhaus, bei richterlichen Urteilssprüchen oder im Wahlprogramm der AfD:

Damit niemand sagen kann, er oder sie habe nicht Bescheid gewusst.

Gleichberechtigung ist keine verhandelbare Masse, und die Freiheit und Emanzipation von Frauen ist nicht etwa Gefahr für die Gesellschaft, sondern wertvolle Ressource – von Männern und von Frauen oft ungenutzt. Eine Politik, die sich auf tradierte Frauen- und Männerbilder stützt, gerät schnell in eine Sackgasse. Erkämpft werden muss Gleichheit von Frauen immer noch und immer wieder, auf vielerlei Arten.

Und es gibt zunehmend Männer, die sich dafür einsetzen. Manche wundern sich darüber, dass einige Frauen es sich gemütlich gemacht haben in ihren Komfortzonen, insbesondere in den westlichen Industrienationen. Auch das gehört zum Thema Backlash.

Ihre MATHILDE-Frauen / bb

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